2008-08-14

Mehr als nur ein Bauwerk

Von k.m. @ 12:27 [ Denkmal ]
Mehr als nur ein Bauwerk

Die offene Radrennbahn in Zürich Oerlikon ist ein einmaliges Bauwerk in der Deutschschweiz. Mit ihren Steilwandkurven übt sie auf den Betrachter eine Faszination aus, die schweizweit sonst nur in der Region Genfersee zu bewundern ist. Der Laie, der sich selbst einmal im steilen Zementoval versucht, wird ihr mit grossem Respekt begegnen. Vom Rennfahrer mit internationalen Erfahrungen wird sie als eine der schnellsten Zementbahnen überhaupt geschätzt.
Die offene Rennbahn hat aber auch einen sehr hohen immateriellen Wert. Sie ist das Mekka einer familiären Szene. Bahnradfahrer aus der ganzen Schweiz treffen sich in der warmen Jahreshälfte jeden Dienstagabend zu Wettbewerben in diversen Disziplinen des Bahnradsports. Die Interessensgemeinschaft Offene Rennbahn (IGOR) ist Organisatorin dieser Abendrennen, sie hegt und pflegt die Rennbahn mit Herzblut und viel Sorgfalt. In Oerlikon schlägt die Hauptschlagader des Schweizer Bahnradsports. Im Europäischen Sechstagezirkus wird er durch die Namen Bruno Risi, Franco Marvulli und Alexander Aeschbach würdevoll vertreten.
Der Nachwuchs steht in den Startlöchern und er braucht die offene Rennbahn. Dass sogar Westschweizer Rennfahrer lange Wege auf sich nehmen, um an den Abendrennen teilzunehmen, zeugt von ihrer Bedeutung für die Schweizer Szene. So gesehen ist die Radrennbahn auch eine Brücke, die über den Röstigraben führt.

Würde die offene Rennbahn von profitorientierten Projekten verschlungen werden, käme dies einer Zerfleischung dieser intimen Szene gleich. Ein einmaliges Ambiente für Sportler und Zuschauer, ginge verloren. Dass ein solches an einem andern Ort auferstehen könnte, scheint auf absehbare Zeit nicht wahrscheinlich. Denn es sind in ihr tief verwurzelte Menschen, einstige und jetzige Grössen des Bahnradsports, die ihr ein Gesicht, eine Identität, einen Geist geben. Auch die IGOR leistet einen unersetzlichen Beitrag an das Leben auf der Rennbahn. Sie ist ebenso lokal verwurzelt und lässt sich nicht einfach so an einen anderen Standort versetzen.
Jugendliche Rennfahrerinnen und Rennfahrer, welchen der Radsport eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und Lebensschule ist, begegnen Weltmeistern und Olympiamedalliengewinnern, können sich sogar an ihnen messen. Die offene Rennbahn ist auch ein Ort der Begegnung. Und wenn er es erst noch für junge Leute ist, dann ist dies sicherlich erfreulicher, als wenn diese sich stattdessen alkoholisiert in Nachtklubs treffen würden.

Im Namen aller, die sich mit der offenen Rennbahn in Oerlikon identifizieren, wünsche ich mir, dass diese und damit ihr sportkultureller Wert geschützt wird!


(Bild: www.rennbahn-oerlikon.ch)



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